Die Änderung von Strukturen

Es ist ein Problem, mit dem viele der sogenannten Traditionsvereine zu kämpfen haben. Der Hamburger Sportverein, der VfB Stuttgart, auch Werder Bremen. Auch Schalke 04. Die Sehnsucht nach früheren Erfolgen. Die damit verbundene Erwartungshaltung der Fans und handelnder Personen – unabhängig davon, ob diese realistisch sind oder nicht. Und daran sind schon viele gescheitert. Auf Schalke will das einer ändern: André Breitenreiter. 

Was Schalke nach der vergangenen Saison brauchte, war schnell klar: Fannähe und ein Team, das sich auf dem Platz reinhängt, die Fans begeistert. Breitenreiter ging diese Dinge schnell an: öffentliches Training, im Anschluss daran Autogramme und Fotos für die Fans. Und auch wenn die Saison noch jung ist, so waren die Auftritte in Duisburg und Bremen sowie gegen Mainz durchaus ansprechend. Doch André Breitenreiter möchte mehr, er will bestehende Strukturen ändern.

Das wollte er schon in Paderborn. Sensationell stieg er mit dem Team auf und befand sich zu Saisonbeginn 2013/14 in der Bundesliga sogar an der Tabellenspitze. Dem einen oder anderen ist aber sicher noch Breitenreiters Schimpftirade vom Oktober vergangenen Jahres in Erinnerung: „Ich habe es zehnmal angesprochen und nichts ist passiert. Hier laufen Kinder auf den Platz, hier fahren Fahrräder und Hunde pinkeln in die Ecke. Wenn ich das sehe, fühle ich mich wie bei einem Dorfverein.“ Eine Woche später wurden die Pläne für den Bau eines neuen Trainingszentrums bekanntgegeben. Diese Pläne lagen sicher schon länger in der Schublade, waren aber für Breitenreiter ein wichtiges Anliegen. Im Spiegel-Interview sagte er:

„Wir haben Jungs, die sich weiterentwickeln wollen und die Gas geben. Jeder, der hier ist, nimmt das an. Das geht bislang gut. Trotzdem muss der Verein bessere Rahmenbedingungen schaffen, um den Abstand zu den anderen Klubs zu verkleinern. Der Bau des Trainingszentrums ist für mich dabei sehr wichtig.“

Auf Breitenreiters Kritik hin wurde eine weitere Stelle für einen Greenkeeper ausgeschrieben sowie ein Saugmäher angeschafft. Ende diesen Jahres soll das Trainingszentrum fertiggestellt werden.

Die Infrastruktur auf Schalke ist wesentlich besser. Eine andere Baustelle, die Breitenreiter angehen will, könnte weitaus schwieriger sein: das Schalker Umfeld. Bei sky90 sagte er am Sonntag:

„Wir müssen unseren jungen Spielern Zeit geben, um sich zu entwickeln.  Wenn das Umfeld ruhig bleibt, und diese Spieler nicht zu schnell zu groß gemacht werden, dann werden wir auch oben mitmischen können.“

„Ich möchte das ändern, dass der Druck so groß ist.“

„Lasst uns allen ihnen (den Talenten) die Zeit geben, sich zu entwickeln.“

„Wir müssen hier Sachen verändern, auch in der Denkweise.“

Julian Draxler ist unter anderem darum gewechselt, weil der Druck durch das Schalker Umfeld zu groß war. Druck hat sich Draxler auch selber gemacht und es gab auch noch andere Komponenten, die zu dem Wechsel geführt haben. Allerdings darf so etwas nicht zur Regel werden.

Doch das steht teilweise im Widerspruch zur Erwartungshaltung vieler Fans und den Ansprüchen des Vereins. LKWs,  die durch NRW touren,  darf es damit laut Breitenreiter nicht geben. Dabei lässt sich das doch so schön vermarkten.
Und auch für viele Fans ist es toll, eine Identifikationsfigur zu haben, einen Spieler, der aus der eigenen Jugend kommt. Doch auf diesen Spielern lastet auch mehr Druck. Immer alles zu geben, zu kämpfen. Vor allem im Derby. Denn diese Jungs wissen ja erst recht, welche Bedeutung dieses hat.

Damit sind die Ansprüche von Breitenreiter schwer vereinbar. Doch er will Strukturen ändern. In Paderborn hat er das geschafft. Auf Schalke hat er schon damit begonnen.

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