Die Taktik der Schalker

Gastbeitrag: Sascha von Pressingfieber

 

Nach einer kurzzeitigen Stabilisation unter Roberto Di Matteo lief es für die Schalker in der Rückrunde fast schon obligatorisch unrund. Eine verkorkste Rückrunde, die neben personellen Fehlentscheidungen und Formkrisen einiger Spieler auch auf ein zu flaches taktisches Konzept zurückzuführen ist.

Schalkenaccio
Nachdem man unter Jens Keller einen eher dürftigen Saisonstart hingelegt hat und dabei noch viel dürftiger spielte, nahm mit Roberto Di Matteo relativ zeitnah ein klangvoller Name auf der Schalker Trainerbank Platz. Der Champions-League-Sieger von 2012 galt als Trainer, der die Defensive liebt. Destruktiv und reagierend sei seine Spielweise. Mit dieser Maxime führte er die Knappen kurz nach Amtsantritt auch zu mehr Stabilität. Liefen die Schalker unter Jens Keller noch in einer 4-2-3-1-Formation auf, so stellte Di Matteo relativ frühzeitig auf ein 5-3-2/5-2-1-2 um. Diese Umstellung passte in dieser Phase sehr gut zum vorhanden Spielermaterial. Benedikt Höwedes, Joel Matip / Felipe Santana und Kaan Ayhan (später Roman Neustädter) bildeten die zentralen Innenverteidiger. Allesamt verfügen sie über ein sehr sauberes Passspiel mit der nötigen Kreativität im Spielaufbau.
Auf den Flügelverteidigerpositionen liefen Fuchs und Uchida auf, die sich in ihrer etwas offensiveren Rolle ebenfalls deutlich wohler fühlten. Beide fanden sie nun mehr Platz auf der Außenbahn und wurden durch einen zusätzlichen Mann in der letzten Reihe bei ihren Ausflügen besser abgesichert. Im Mittelfeld agierten zumeist Aogo, Meyer, Neustädter, Boateng oder Höger. Je nachdem, in welcher Konstellation man auflief, variierte die Spielweise. Max Meyer wechselte beispielsweise zwischen der halblinken Achterposition im 5-3-2 und der Zehnerposition hinter den spitzen im 5-2-1-2. Das junge Talent brachte dabei seine herausragenden Dribblingfähigkeiten meist sehr gut ein. Für das Umschaltspiel war er von enormer Wichtigkeit, da er stets für Verbindungen zum Angriff sorgte. Boateng zeigte zu diesem Zeitpunkt ebenfalls ansprechende Leistungen. Seine tolle Dynamik verbunden mit seiner Aggressivität stand S04 gut zu Gesicht.
Im Sturmzentrum sorgten Huntelaar und Choupo-Moting für reichlich Wirbel. Beide agierten sehr beweglich in vorderster Linie. Während Huntelaar immer wieder kurze Ablagen und Torabschlüsse suchte, forcierte sein Pendant vor allem das Dribbling. Mehrfach trug Choupo-Moting einige Angriffe fast im Alleingang nach vorn, indem er sich gegen zwei oder manchmal sogar drei Gegenspieler behaupten konnte.
Generell wurde das Spiel der Schalker etwas mehr auf das Kontern gedrillt. Unter Keller hing man irgendwo zwischen „lass mal hinten rein stellen und kontern“ und „lass mal Ballbesitz haben“. Di Matteo ließ fortan gänzlich auf Konter spielen, was dem Spielermaterial deutlich angemessener war. Mit Meyer, Boateng, Choupo-Moting, Huntelaar und natürlich Draxler hat man hervorragende Umschaltspieler, die brandgefährlich sind, wenn man ihnen die nötigen Räume gibt.

Das alte Problem
Obwohl man sich defensiv nun deutlich stabilisiert hatte, deckte die Rückrunde die Probleme der Schalker mehr als deutlich auf. Musste Schalke das Spiel selbst aufziehen, tat man sich regelmäßig extrem schwer, adäquate Chancen herauszuspielen. Das Mittelfeldzentrum wurde nicht konstant genug besetzt, die Außenverteidiger klebten an ihren Seitenlinien und man griff viel zu häufig zum langen Ball. Vornehmlich waren es die „Kleinen“, die sich etwa 10 Meter in der Schalker Hälfte positionierten und das Zentrum versperrten. Ein sauberes Durchdringen in das zweite Spielfelddrittel war aus Schalker-Sicht kaum zu sehen.
In der Ballzirkulation war man schlichtweg zu eindimensional, zu simpel war das Ganze angelegt. Was in diversen Stammtisch-Debatten und Stammtisch-Sendungen zum Sonntagvormittag gern als Lustlosigkeit oder schlechtes Management tituliert wird, ist eigentlich ein spielerisches Problem. Hast du eine scheiß Spielweise, spielst du scheiße und holst langfristig keine Punkte, um den eigenen Ambitionen gerecht zu werden. Gerade in der Bundesliga, wo nahezu 75% der Teams auf Konter fixiert sind, ist ein flexibles Spiel bei eigenem Ballbesitz von enormer Wichtigkeit – und das war bei den Schalkern nur bedingt vorhanden. Noch problematischer wurde es für S04, wenn man in Rückstand geriet. Denn bis zu diesem war man in der Regel sehr bemüht – wie auch immer man das jetzt interpretieren mag.
In der nächsten Saison wird sich auf Schalke einiges ändern. Mit Breitenreiter hat man einen jungen Trainer verpflichtet, dessen Spielweise zwar ebenfalls zu Kontern tendiert, er bei Paderborn jedoch einige gute Ansätze im Ballbesitzspiel zeigte. Es bleibt abzuwarten, wie er eine neue Mannschaft um sich herum aufbaut.

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